Samstag, 21. Januar 2012

Jetzt mal im Ernst: Ein "Schöpfer"?

Zum Thema "Spiritualität im Metal" brachte die Rock Hard in ihrer Dezemberausgabe (2011) ein Special. Neben dem üblichen satanischen Unsinn einiger Bands kamen auch einige Christen zu Wort. Hier tat sich Herbie Langhans von Seventh Avenue durch eine geradezu fundementalistische und mehr als mittelalterliche Sichtweise hervor. Dazu schrieb ich einen Leserbrief, der in der Februarausgabe veröffentlich wurde. Hier ist er nun zur Dokumentation zusätzlich veröffentlicht:

Wieder einmal zeigt sich die geistige Umnachtung in Form von religiös verblendeten und schwachen Geistern. Dass diese im Rock Hard ein Forum bekommen finde ich gelinde ausgedrückt eine Zumutung.

Es gibt nichts an Religion, dass es wert ist sie zu schützen oder auch nur durch Erwähnung zu unterstützen. Die tragischen Gestalten die sich auf den Seiten zum Thema Religion und Spiritualität äußern zeugen allein in ihren eigenen Aussagen von unfassbarer Dummheit und krankem Geist. Die Aussage von Herbie Langhans (Seventh Avenue), dass sich die Urknalltheorie "albern" anhört sagt mir nur, dass sich hier ein schwacher Kleingeist äußert, der so indoktriniert wurde, (oder sich selber indoktriniert hat) dass er offensichtlich blind für wissenschaftliche Belege ist. Abseits vom Urknall wird in seiner Aussage subversiv deutlich, dass er der Meinung ist, dass die Erde in ihrer heutigen Form einen Schöpfer haben muss. Das erinnert an die Theorie der jungen Erde, wie sie von Kreationisten gerne bemüht wird. Es mag für verwirrte Menschen schwierig sein zu akzeptieren, aber es gibt nicht einen Hinweis auf einen Schöpfer und es ist auch nicht nötig einen zu suchen. Wofür brauchen wir ihn? Die Wissenschaft gibt genügend Antworten und da wo sie keine hat sucht sie zumindest welche. Wie steht's hier mit der Religion?

Die Religion sagt uns, dass wir unser Nichtwissen akzeptieren sollen und an die Stelle von Forschung und Wahrheitssuche ein Konstrukt überkommener Überzeugungen und zweifelhafter Werte stellen müssen. Das ist gefährlich! Wer Wahrheiten wie die Evolutionslehre (Lehre! NICHT Theorie!) in Frage stellt, der ignoriert die Realität. Leider sind derartig verwirrte Menschen für rationale Argumente nicht zugänglich. Zu tief sitzt die geistige Verblendung.

Was löst ein Glaube an einen Schöpfer denn bitte für ein Problem? Der Beginn von Raum und Zeit durch einen Urknall mag mehr als schwer vorstellbar sein. Aber wenn wir einen Schöpfer daneben stellen, der all dies in Gang gebracht hat, dann machen wir das Problem nicht kleiner sondern größer. Woher kommt der Schöpfer? "Der war schon immer da" mag eine Antwort von religiösen Spinnern sein. Und das soll leichter zu akzeptieren sein als eine Theorie, die eine gute wenn auch schwer fassbare Antwort liefert und das Problem wirklich verkleinert? So gesehen kann man die Aussage auch umdrehen: Jetzt mal im Ernst: Ein Schöpfer? DAS klingt doch irgendwie albern.
Außerdem ist die Religion entgegen der Aussage von Herbie Langhans nicht die Wurzel der menschlichen Moral und der aus ihr resultierenden Gesetze. Wären wir ohne Religion schlechte Menschen? Oder anders gefragt: wenn es keinen gibt der uns auf die Finger schaut, würden wir dann Morden und Brandschatzen? Ich komme ohne Gott aus und kann sagen, dass ich bisher noch niemanden umgebracht habe. Die zehn Gebote sind lediglich eine Formulierung von allgemeingültigen Moralrichtlinien, nicht ihr Ursprung.

Ich empfehle die Lektüre von Richard Dawkins ("Der Gotteswahn", "Die Schöpfunglüge") zu diesem Thema. Denn hier werden Wahrheiten gesucht und gefunden, nicht in der Bibel.

Kommentare:

  1. Kleine Anmerkung: Es ist tatsächlich die Evolutions_theorie_. Allerdings verstehen die meisten Mensche da fälschlicherweise etwas in der Richtung "Theoretisch, aber nicht Praktisch" drunter, oder anders gesagt: das was die meisten Menschen meinen, wenn sie "Theorie" sagen ist
    "Hypothese".

    Und das Evolution eine Theorie ist, macht sie nicht schlecht, Relativität ist auch "nur" eine Theorie. Nur halt eine, die man im Gegensatz zu den Schöpfungshypothesen diverser Religionen trotz zahlreicher Versuche nicht entkräften konnte.

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    1. Ja, das ist natürlich richtig. Aber ich diskutier nicht in einem Leserbrief an die Rock Hard über die Unterscheidung zwischen Theorie, Hypothese und Lehre. Zumal der Leserbrief direkt über meinem (zum gleichen Thema) klarmachen wollte, dass die Rock Hard ja nun wohl kein Blättchen für Intellektuelle ist und man sich doch von Themenbereichen wie "Spiritualität im Metal" wenn auch nicht fernhalten, dann doch bitte etwas weniger akademisch herangehen sollte.

      Dawkins führt in "Die Schöpfunglüge" den Begriff des Theorums analog zum mathematischen Theorem ein. Ich hätte mich hier klarer ausdrücken können und vielleicht ist das Theorum auch der bestmögliche Begriff. Aber wenn wir uns schon "Brights" nennen um über die Sprache dem Atheismus eine positive Konotation zu geben, dann kann man die kleine sprachliche Ungenauigkeit hier -denke ich- auch in der gleichen Kategorie verorten. Es ist eine Lehre, daran zu zweifeln ist in etwa wie an der Schwerkraft zu zweifeln. Auch wenn es natürlich strenggenommen eine Theorie oder eben ein Theorum ist.

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